Kartoffelknödel halb und halb – wie beim Wirt

Kartoffelknödel bestehen aus Kartoffeln, Salz und Muskat. Trotzdem kann man dabei so ziemlich alles falsch machen: zu nass, zu fest, grau, zerfallen, oder außen glatt und innen roh. Ich mache meine Kartoffelknödel halb und halb, also je zur Hälfte aus rohen und gekochten Kartoffeln. Die rohen bringen Geschmack und etwas Biss, die gekochten Bindung und eine lockere Krume. Das ist mehr Arbeit als eine Sorte allein, und es ist der einzige Grund, warum die Knödel beim Wirt anders schmecken als zuhause.

Kartoffelknödel mit gerösteten Semmelbröseln und Schnittlauch auf einem Teller
Kartoffelknödel mit gerösteten Semmelbröseln und Schnittlauch auf einem Teller
Zum Rezept springen

Kartoffelknödel selber zu machen klingt nach Aufwand, geht aber wirklich schnell von Hand: Die gekochten Kartoffeln machst du sowieso am Vortag, weil sie kalt sein müssen. Am Knödeltag selbst dauert es dann keine halbe Stunde bis zum Topf.

Welche Kartoffeln für Kartoffelknödel?

Mehligkochend, und daran gibt es nichts zu rütteln. Sie enthalten mehr Stärke und weniger Wasser, und genau darauf kommt es an: Die Stärke ist beim Kartoffelknödel das einzige Bindemittel. Vorwiegend festkochende Sorten geben zu wenig davon her, der Teig bleibt nass und die Knödel zerfallen im Topf.

Für die gekochte Hälfte gilt außerdem: am Vortag garen. Kalte, durchgezogene Kartoffeln binden deutlich besser als warme, weil die Stärke beim Abkühlen fester wird. Wer die Pellkartoffeln lauwarm durch die Presse drückt, bekommt einen Teig, der später Wasser zieht.

Der Beispiel-Zeitplan für Knödel am Sonntagmittag

Samstagabend 500 g Kartoffeln als Pellkartoffeln garen, abkühlen lassen und über Nacht in den Kühlschrank stellen.
Sonntag, 11:00 Uhr Gekochte Kartoffeln pellen und durchpressen. Rohe Kartoffeln schälen, reiben und ausdrücken, Stärke absetzen lassen.
Sonntag, 11:20 Uhr Teig mischen, Probekloß ins Wasser.
Sonntag, 11:30 Uhr Knödel formen und garen. Um 11:50 Uhr stehen sie auf dem Tisch.

Tipp: Ist deine Küche warm, wird die rohe Masse schneller grau. Dann schäl die Kartoffeln erst, wenn die gekochten schon durchgepresst in der Schüssel liegen.

Was du für Kartoffelknödel brauchst

Die folgenden Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber etwas, erhalte ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

  • Kartoffelpresse für die gekochte Hälfte. Ein Stampfer drückt nur platt und lässt Stücke übrig, die sich im Teig nicht mehr verteilen.
  • Feine Reibe für die rohe Hälfte. Eine grobe Röstireibe hinterlässt glasige Fäden im fertigen Knödel.
  • Passiertuch zum Ausdrücken. Hält kräftiges Auswringen besser aus als ein dünnes Geschirrtuch.
  • Großer flacher Topf, wenn du öfter Knödel machst. Die Klöße brauchen Platz und sollten sich beim Garen nicht anstoßen.

Der Stärke-Trick

Diesen Schritt lassen die meisten Rezepte weg, dabei entscheidet er über den Knödel. Wenn du die geriebenen rohen Kartoffeln im Tuch auspresst, kommt trübe Flüssigkeit heraus. Wirf sie nicht weg, sondern stell sie zehn Minuten in einer Schüssel beiseite. Am Boden setzt sich eine weiße Schicht ab, und das ist reine Kartoffelstärke. Das Wasser gießt du vorsichtig ab, die Stärke kratzt du aus und gibst sie zurück in den Teig. Damit kommst du mit deutlich weniger gekaufter Stärke aus, bei manchen Sorten ganz ohne. Und der Knödel schmeckt nach Kartoffel statt nach Bindemittel.

Geriebene rohe Kartoffeln im Passiertuch nach dem Auspressen
Gekochte Kartoffeln werden im Topf fein gestampft

Beim Ausdrücken darfst du ruhig kräftig sein. Je trockener die Masse, desto besser hält der Knödel später zusammen. Ein sauberes Küchenhandtuch funktioniert genauso gut wie ein Passiertuch oder ein Sieb.

Warum werden meine Kartoffeln grau?

Rohe geriebene Kartoffeln verfärben sich innerhalb weniger Minuten. Das ist normal und liegt am Sauerstoff, geschmacklich passiert dabei nichts. Schön sieht es trotzdem nicht aus, und im fertigen Knödel bleiben graue Schlieren sichtbar.

Dagegen hilft vor allem Tempo. Schäl die Kartoffeln erst, wenn alles andere bereitsteht, leg sie bis zum Reiben in kaltes Wasser und verarbeite die geriebene Masse sofort weiter. Wer mag, gibt einen Spritzer Zitronensaft ins Wasser, das verzögert die Verfärbung zusätzlich

Siedend, nicht kochend

Der häufigste Fehler beim Knödel kochen, und er kostet dich die ganze Arbeit. Kartoffelknödel gehören in Wasser, das gerade eben siedet. Sobald es sprudelt, reißt die Bewegung sie auseinander, und du fischst am Ende Kartoffelbrei aus dem Topf.

Nimm einen großen Topf, damit die Knödel Platz haben. Salz ins Wasser, dann die Knödel vorsichtig hineingleiten lassen. Sie sinken zuerst ab und steigen nach etwa 20 bis 25 Minuten wieder auf. Das ist das Zeichen, dass sie fertig sind. Ich lasse den Topf offen, damit ich die Temperatur besser im Blick habe.

Immer erst ein Probekloß

Bei Kartoffelknödeln ist das noch wichtiger als bei meinem Semmelknödel Grundrezept, weil die Bindung stark von der Kartoffelsorte abhängt. Zwei Kilo mehligkochende Kartoffeln aus zwei verschiedenen Läden können sich unterschiedlich verhalten.

Also: einen einzelnen Knödel formen und ins Wasser geben, bevor du den Rest machst. Hält er zusammen, kannst du beruhigt weitermachen. Zerfällt er, gibst du etwas mehr Stärke in den Teig und probierst es noch einmal.

Der Probekloß hat noch einen zweiten Nutzen. Du kannst ihn probieren und die Masse nachwürzen, bevor alle Knödel fertig geformt sind.

Fertige Kartoffelknödelmasse in der Schüssel mit Teigschaber
Acht geformte rohe Kartoffelknödel auf einem Teller

Zum ersten Mal Knödel?

Dann fang mit meinen Semmelknödeln an. Die sind gutmütiger, weil das Brot die Bindung mitbringt und du dich nicht allein auf die Stärke verlassen musst. Wenn die sitzen, ist der Kartoffelknödel der nächste Schritt.

Kartoffelknödel halb und halb – wie beim Wirt

Rezept von Jochen
5.0 from 2 votes

Halb roh, halb gekocht: So werden Kartoffelknödel innen locker, bleiben beim Aufschneiden zusammen und schmecken kräftig nach Kartoffel. Mit dem Stärke-Trick statt Mehl.

Gang: RezepteKüche: DeutschSchwierigkeit: Einfach
Portionen

8

Knödel
Zubereitungszeit

30

Minuten
Kochzeit

25

Minuten
Gesamtzeit

55

Minuten
Cook Mode

Bildschirm eingeschaltet lassen

Zutaten

  • 500 g 500 mehligkochende Kartoffeln, gekocht

  • 500 g 500 mehligkochende Kartoffeln, roh

  • 1 Stück 1 Ei

  • 1 Prise 1 Salz

  • 1 Prise 1 Muskat

  • 1 EL 1 Kartoffelstärke

Zubereitung

  • Die rohen Kartoffeln schälen und fein reiben. Die Masse in ein Küchentuch geben und kräftig auspressen, nicht zaghaft.
  • Den ausgepressten Saft stehen lassen. Nach ein paar Minuten setzt sich unten in der Schüssel eine weiße Schicht ab, das ist die Stärke. Das Wasser vorsichtig abgießen, die Stärke zurück in die Kartoffelmasse geben.
  • Die gekochten Kartoffeln fein stampfen und dazugeben. Ei, Salz, Muskat und bei Bedarf die Kartoffelstärke unterheben. Nur kurz vermengen, nicht kneten, sonst wird der Knödel zäh.
  • Aus der Masse acht Knödel formen, etwa 100 g pro Stück.
  • Erst einen Probeknödel ins siedende Salzwasser geben. Hält er zusammen, kannst du den Rest formen. Fällt er auseinander, hilft ein Löffel Stärke im Teig.
  • Die Knödel im siedenden NICHT KOCHEND ODER SPRUDELDEM! Salzwasser 20 bis 25 Minuten ziehen lassen. Das Wasser darf nur leicht zittern, sprudelnd kochendes reißt die Knödel auseinander.

Notizen

  • Bei manchen Kartoffelsorten brauchst du die zusätzliche Stärke gar nicht, die abgesetzte aus dem Presssaft reicht. Das Ei ist optional, mir schmeckt es damit besser.
  • * Wenn du einen Artikel über meinen Amazon Link bestellst, erhalte ich dafür ein kleine Provision. Deine Unterstützung hilft mir dabei, diesen Blog mit all seinen Kosten am Leben zu erhalten. Du kannst meine vorgeschlagenen Produkte natürlich auch unabhängig von meinem Link bei Amazon suchen, kaufen und bestellen. Schau unbedingt auch bei regionalen Händlern vorbei und unterstütze den kleinen Handel. Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen.
Instagram

Hast du das Rezept ausprobiert?

Verlinke mich @foodbyjos auf Instagram

Pinterest

Pin auf Pinterest

Folge mir @foodbyjos auf Pinterest

Wozu passen Kartoffelknödel?

Zum Schweinebraten mit dunkler Soße, zur Ente, zu Rouladen. Überall dort, wo genug Soße auf dem Teller ist, denn dafür sind sie da. Dazu Blaukraut oder Wirsing, und das Sonntagsessen steht.

Wenn du gleich das Ganze willst: Mein Gulasch mit Portwein und Hagebutte ist das Gericht, für das ich diese Knödel am liebsten mache.

Reste: Knödelgröstl

Übrig gebliebene Knödel am nächsten Tag in Scheiben schneiden und in Butter goldbraun anbraten. Ein verquirltes Ei darüber, etwas Schnittlauch, fertig.

Ich koche inzwischen absichtlich zwei Knödel zu viel, nur damit es am nächsten Tag Gröstl gibt. Kalte Knödel lassen sich außerdem deutlich besser schneiden als frische, die zerbröseln unter dem Messer.

Noch mehr Knödel aus meiner Küche

Wenn dir die Kartoffelknödel schmecken, probier unbedingt auch die anderen Varianten:

MEHR KNÖDEL? schau in meinen Überblick: Knödel selber machen

FAQ zu Kartoffelknödeln

Kann ich Kartoffelknödel vorbereiten?

Den Teig nicht, der verfärbt sich und zieht Wasser. Geformte rohe Knödel halten etwa eine Stunde, dann sollten sie in den Topf. Fertig gegarte Knödel kannst du dagegen problemlos am Vortag kochen und am nächsten Tag in siedendem Wasser wieder erwärmen. Das mache ich immer, wenn Gäste kommen.

Kann man Kartoffelknödel einfrieren?

Ja, am besten gegart. Vollständig auskühlen lassen, einzeln auf einem Blech anfrieren und erst dann in den Beutel geben, sonst kleben sie zusammen. Zum Aufwärmen kommen sie gefroren ins siedende Wasser und brauchen etwa zehn Minuten.

Brauche ich wirklich ein Ei?

Nein. Puristen lassen es weg und verlassen sich allein auf die Stärke. Mit Ei wird der Knödel gelingsicherer, aber auch etwas fester. Wenn deine Kartoffeln gut binden und du sauber ausgedrückt hast, brauchst du keins.

Kommt Mehl in Kartoffelknödel?

In meine nicht. Mehl macht den Knödel schwer und teigig, genau wie beim Semmelknödel. Ist der Teig zu nass, gehört mehr Stärke hinein, nicht mehr Mehl.

Geht das Rezept auch ganz ohne rohe Kartoffeln?

Dann bekommst du einen anderen Knödel: weicher, heller, näher am Semmelknödel. Schmeckt auch, ist aber nicht der Knödel, den du beim Wirt bekommst. Der kräftige Kartoffelgeschmack kommt von der rohen Hälfte.

Warum zerfallen meine Kartoffelknödel?

Meist steckt zu viel Feuchtigkeit im Teig, entweder weil die rohen Kartoffeln nicht kräftig genug ausgedrückt wurden oder weil die abgesetzte Stärke fehlt. Die zweite häufige Ursache: Das Wasser hat gekocht statt gesiedet.

Welche Kartoffelsorte eignet sich am besten?

Jede mehligkochende Sorte funktioniert. Bei uns bekommt man meist Adretta, Melody oder Afra, und alle drei sind gut geeignet. Wichtiger als die Sorte ist, dass sie wirklich mehligkochend ist und nicht vorwiegend festkochend.

1 Kommentar zu „Kartoffelknödel halb und halb – wie beim Wirt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen